Gebrauchtwagen kaufen

Tipps zum Kauf von Gebrauchtwagen

[24.06.2014] | gl

Wer sich keinen Neuwagen leisten kann oder möchte, greift in der Regel zur günstigeren Alternative: dem Gebrauchtwagen. Möglich ist ein solcher Kauf von einer Privatperson oder einem Autohändler. Letzterer bietet vor allem den Vorteil der Gewährleistungsfrist. Doch sollten beim Gebrauchtwagenkauf einige wichtige Punkte beachtet werden, damit es kein böses Erwachen gibt. Denn nicht jeder Gebrauchte hält was er verspricht. Und auch der günstigste Gebrauchtwagen kann im Nachhinein teurer werden als einem lieb ist, wenn bestimmte Grundregeln nicht beachtet werden. Worauf Sie beim Kauf eines Gebrauchtwagens achten sollten, erfahren Sie hier.

Den idealen Gebrauchten suchen und finden

Heutzutage findet man die meisten inserierten Fahrzeuge vor allem im Internet. Verschiedene Internetportale bieten eine optimale Möglichkeit für die Fahrzeugsuche. Auf diese Weise lassen sich ohne größeren Aufwand Preise und Modelle miteinander zu vergleichen, so dass man schnell einen guten Überblick über den Gebrauchtwagenmarkt gewinnt. Auch regionale Internetbörsen bieten die Möglichkeit, in direkter Nachbarschaft den passenden Wagen zu finden. Zudem sind Inserate in lokalen Zeitungen und Anzeigeblättern weiterhin relevant, auch wenn deren Nutzung in den letzten Jahren zurück geht.

Der Besuch beim örtlichen Autohändler ist obligatorisch. Lokale Händler bieten häufig besonders günstige Angebote, um Neukunden zu gewinnen und diese langfristig an das Autohaus zu binden, sei es für einen weiteren Autokauf oder Aufträge im Bereich Service und Werkstatt. Daher sollte man sich nicht davon abschrecken lassen, wenn die ausgeschriebenen Preise nicht den Vorstellungen entsprechen: denn Rabatte sind immer möglich! Wer bereit ist, ausdauernd zu verhandeln, kann sich häufig einen guten Preis sichern.

Weite Anfahrten zu einem Autohändler sollten eher für Fahrzeuge aus dem gehobenen Preissegment oder für besonders seltene Stücke in Kauf genommen werden, da man sich bei Nichtgefallen unnötige Kosten aufhalst. Zudem sollte man im Vorfeld möglichst viele Informationen über das angebotene Fahrzeug in Erfahrung bringen (am besten telefonisch) und beim Verkäufer aussagekräftige Fotos aus verschiedenen Perspektiven anfordern, um sich ein genaues Bild vom Gebrauchtwagen machen zu können. Erst dann lohnt sich auch eine längere Anfahrt.

Wunschauto nicht alleine besichtigen und Angaben hinterfragen

Sofern man selbst kein Kfz-Experte ist, sollte man zur Besichtigung eines Gebrauchtwagens immer eine Person mitnehmen, die sich gut mit Autos und Technik auskennt. Meist ergeben sich solche Möglichkeiten im direkten Bekanntenkreis - also einfach mal nachfragen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich auch fachkundig unterstützen lassen. Die meisten Prüforganisationen bieten einen entsprechenden Fahrzeugcheck zu überschaubaren Preisen an, bei dem Fachleute das Fahrzeug untersuchen und einen umfassenden Prüfbericht anfertigen. Beim TÜV gibt es zum Beispiel den "Vertrauens-Check" ab 34,90 Euro. Auch der ADAC bietet ähnliche Aktionen zu Preisen unter 100 Euro an, auch für Nichtmitglieder. Ehrliche Verkäufer sträuben sich in der Regel nicht gegen einen sochen Profi-Check und falls doch, sollte man vom Kauf absehen.

Während der Gebrauchtwagenbesichtigung empfiehlt es sich, alle im Inserat genannten Angaben zu hinterfragen. Gerade Aussagen wie "alle KD" (was so viel heißt wie: Alle Kundendienste sind regelmäßig durchgeführt worden) sind dabei besonders wichtig. Daher sollte direkt vorab nach dem lückenlos und nachvollziehbar gepflegten Scheckheft bzw. Serviceheft gefragt werden. Ergänzende Rechnungen der Servicearbeiten lassen zudem nachvollziehen, wann und wo die Arbeiten durchgeführt wurden. Selbsteinträge oder Quittungen ohne genaue Aufführung der Posten sind dagegen wertlos. Wichtig ist auch der letzte Prüfbericht des Fahrzeugs, der ohnehin für die Zulassung benötigt wird. Dieser enthält alle nötigen Kernfakten und außerdem können dort auch geringe Mängel aufgeführt sein.

Ist der Wagen wirklich unfallfrei?

Einer der wichtigsten Punkte beim Gebrauchtwagenkauf ist die Nachfrage und Prüfung nach Vorschäden und Unfallschäden. Denn: war das Fahrzeug in einen Unfall verwickelt, wirkt sich dies in besonderem Maße auf den Wert des Fahrzeugs aus. Formulierungen wie "Unfallfreiheit" und "ohne Vorbeschädigungen durch Unfall oder sonstige Beschädigungen" sind am besten schriftlich im Kaufvertrag festzuhalten. Der Hinweis "ohne erkennbare Unfallschäden" reicht dabei keinesfalls aus, warnt der TÜV Süd. Bei offensichtlichen Vorschäden, sollte sich der Käufer die Reparaturbelege vom Verkäufer aushändigen lassen, um diese bei einem späteren Wiederverkauf auch selbst vorlegen zu können.

Weicht der Verkäufer beim Thema Unfallschaden schon am Telefon aus, darf die Seriosität des Angebots bezweifelt werden. Das gleiche gilt auch für den Fall, dass der Anbieter bei der Frage, warum das Fahrzeug verkauft werden soll, nervös wird und/oder fadenscheinige Antworten gibt. Außerdem sollte geprüft werden, ob der Verkäufer mit dem letzten, eingetragenen Vorbesitzer identisch ist. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich womöglich um einen Händler, der mit der "Privat-Masche" die Gewährleistungspflicht zu umgehen versucht.

Die optimale Fahrzeugbesichtigung benötigt Zeit und gutes Wetter

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Ein professioneller Fahrzeugcheck ist nicht teuer und schafft Gewissheit über den Zustand des Autos, Foto: © Karin & Uwe Annas

Für die ordentliche Prüfung eines Gebrauchtwagens sollte man sich Zeit nehmen und auf eine Besichtigung unter guter Beleuchtung, optimaler Weise unter freiem Himmel, achten. Regenfreies Wetter ist dabei essentiell, denn Nässe und Regen verdecken schnell kleine Dellen oder Lackfehler und können so die Entlarvung von Unfall- und Korrosionsschäden erschweren.

Gleich zu Anfang sollte die Fahrgestellnummer mit den Fahrzeugpapieren verglichen werden. Dies zeugt von Sachverstand und sorgt direkt für klare Verhältnisse zwischen Käufer und Verkäufer. Danach sollte die Karosserie des Wagens auf Korrosionsschäden überprüft werden. Dabei sollte vor allem auf Rostschäden geachtet werden. Wichtig sind vor allem die Kotflügel, die Kanten und Falze an den Türen, die Türschweller, die Bodenbleche im Innenraum (Teppiche oder Matten hochheben), die oberen Aufhängungen der Federbeine (Domlager) wie auch der Unterboden und die Reserverad-Wanne des Fahrzeugs. Ist irgendwo Rost zu erkennen oder wirft der Lack Blasen, muss dies angesprochen werden. Ein Blick auf die Spaltmaße von Türen, Kofferraumklappe und Motorhaube zeigt zudem, ob der Wagen schon einen Schaden hatte, bzw. nicht fachmännisch repariert wurde. Bei unterschiedlich breiten Spaltmaßen handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Unfallwagen.

Neben der Außenhaut des Wagens, lohnt sich auch ein Blick auf die Reifen (siehe auch Reifencheck). Gerade Winterreifen sollten mindestens vier Millimeter Profil haben. Abgefahrene Reifen bieten hingegen ein guter Einstieg für Preisverhandlungen. Ist das Profil der Reifen unregelmäßig abgefahren, kann dies auf Schäden am Fahrwerk hindeuten. Wenn zudem noch Risse und Schrammen in den Felgen von sogenannten "Randstein-Treffern" zu sehen sind, deutet dies auf eine mangelhafte Pflege des Fahrzeugs hin.

Der obligatorische Blick unter die Motorhaube

Natürlich sollte vor der Kaufentscheidung auch ein Blick in das Herz des Wagens geworfen werden: den Motorraum. Hier zählen vor allem der Zustand der Schläuche und der Stand der Flüssigkeiten bei Öl, Kühlmittel, Bremse, Servolenkung und Autobatterie. Diese wichtigen Elemente sind verlässliche Gradmesser für die bisherige Pflege und Wartung des Fahrzeugs. Weißer Schaum am Öldeckel oder Ölmessstab deuten zum Beispiel auf einen Defekt der Zylinderkopfdichtung hin. Starke Ölverschmierungen und eine generell erhöhte Verschmutzung im Innenraum sollten zumindest skeptisch machen.

Probefahrt ist unverzichtbar

Auch wenn das Fahrzeug optisch gut aussieht, ist eine Probefahrt unverzichtbar, bevor ein Kaufvertrag für einen Gebrauchtwagen abgeschlossen werden sollte. Erst wenn man selbst hinter dem Steuer gesessen hat und einige Kilometer gefahren ist, weiß man, ob das Fahrzeug den eigenen Ansprüchen genügt, ob man sich wohl fühlt und mit den Abmessungen klar kommt. Nach erfolgter Probefahrt sollte beim Abstellen des Wagens nicht vergessen werden die Handbremse anzuziehen, um zu prüfen ob diese fest arretiert.

Vor dem Verlassen des Fahrzeugs sollte zudem der Innenraum genau unter die Lupe genommen werden: stark verschlissene Pedalgummis, sowie Abnutzungen an Lenkrad oder Türgriffen geben einen Hinweis auf eine hohe Laufleistung. Ob der Kilometerstand stimmt, ergibt sich in der Regel aus dem Serviceheft. Beim späteren Kauf des Wagens sollte auch hier auf eine korrekte Vertragsformulierung geachtet werden. Die Vertragsangabe "abgelesener Km-Stand laut Tacho" sagt nichts über die "Gesamtfahrleistung" aus. Optimaler ist da die Angabe: "Gesamtfahrleistung entspricht dem Km-Stand laut Tacho". Ein letzter Blick unter den Wagen, um sicherzustellen das nirgendwo Flüssigkeit tropft, schadet ebenfalls nicht.

Kaufvertrag gibt Sicherheit

Ist alles im "grünen Bereich", sind also Besichtigung und Probefahrt zufriedenstellend verlaufen und wirkt der Verkäufer verlässlich und seriös, steht dem Kauf des neuen Gebrauchten eigentlich nichts mehr im Wege. Um den Kauf anschließend abzuwickeln, empfiehlt sich ein Kaufvertrag. Es gibt verschiedene, rechtlich geprüfte Vorlagen die Sie dazu verwenden können. Auf diese Weise werden alle relevanten Daten des Autos sowie alle Angaben von Käufer und Verkäufer festgehalten. Von einem mündlichen Kaufvertrag ist hingegen abzuraten.

Überführung des Fahrzeugs

Ist das Fahrzeug zum Datum des Verkaufs noch zugelassen, kann der Käufer nach der Übergabe der Papiere über das Fahrzeug verfügen und damit umgehend nach Hause fahren. Allerdings ist davon abzuraten, da im Schadenfall der Schadenfreiheitsrabatt des Verkäufers gefährdet ist. Daher sollte ein Gebrauchtwagen erst verkauft werden, sobald er abgemeldet ist. So können Probleme wegen einer vergessenen Ummeldung vermieden werden.

Wurde das Auto bereits ordnungsgemäß abgemeldet, müssen Kurzzeitkennzeichen bzw. Rote Kennzeichen angebracht werden, um eine Überführung des Fahrzeugs zu ermöglichen. Alternativ können natürlich auch direkt die neuen, dauerhaft gültigen Autokennzeichen angeschraubt werden, die von den Kraftfahrzeug-Zulassungsstellen ausgegeben werden.