H-Kennzeichen
Quelle: Westermann

H-Kennzeichen

H-Kennzeichen für Oldtimer – Bedingungen und Vorteile

[11.11.2014] | gl

Der Besitz eines Oldtimers, die Pflege und natürlich auch das Fahren, erfüllen den Besitzer eines solchen Fahrzeugs stets mit großer Freude. Über das Jahr verteilt finden zahllose Oldtimertreffen, Oldtimer-Events und Rallys statt, bei denen die Fahrzeuge vorgeführt werden. Jedoch ist ein Oldtimer ein teures Hobby. Um die finanzielle Belastung für den Halter abzumildern, gilt in Deutschland eine spezielle Regelung für Autos dieser Art: Durch die Genehmigung des sogenannten H-Kennzeichens wird das historische Gefährt als Kulturgut eingestuft und damit steuerlich begünstigt. Wir erklären, welche Voraussetzungen zum Erhalt eines H-Kennzeichens erfüllt werden müssen.

Bedingungen für das H-Kennzeichen

Exemplarisches H-Kennzeichen
Ein Exemplarisches H-Kennzeichen für einen Pkw

Damit ein Fahrzeug in den Genuss eines H-Kennzeichens kommt, muss es von einem Gutachter als sogenanntes Kulturgut anerkannt werden. Dafür ist es notwendig, dass vom Tag der Erstzulassung bis zum Tag der Beantragung des H-Kennzeichens, mindestens 30 Jahre vergangen sind. Das Fahrzeug sollte möglichst im Originalzustand erhalten sein. So werden z.B. nur Lackierungen akzeptiert, die im Baujahr verfügbar waren. Desweiteren dürfen zwar Anbauteile verbaut sein, jedoch nur wenn diese in den ersten 10 Jahren nach der Erstzulassung üblich waren. Für größere Umbaumaßnahmen am Fahrzeug gilt eine Frist von 30 Jahren. So wird sichergestellt, dass der Oldtimer den Geist seiner Zeit korrekt wiederspiegelt. Seit 2011 gilt für Oldtimer eine neue Richtlinie zur Bewertung, die jedoch einen gewissen Spielraum für Interpretationen durch den Gutachter ermöglicht.

Ein Problem bei älteren Fahrzeugen ist häufig die hohe Laufleistung. Zwar gelten Motoren früherer Bauart im Vergleich zu modernen Aggregaten gemeinhin als robuster, jedoch bedürfen Sie einer umfangreichen Pflege, um die Jahrzehnte zu überstehen. Sofern ein Austausch notwendig wird, ist dieser nur mit Motoren der gleichen Baureihe gestattet, damit das Kriterium des Originalzustands erfüllt wird. Da es nicht in jedem Fall möglich ist einen entsprechenden Antrieb zu beschaffen, kann in begründeten Ausnahmesituationen auch die Verwendung eines neueren Motors erlaubt werden, wenn dieser ebenfalls mindesten 30 Jahre alt ist.

Ist eine vollständige Restauration des Oldtimers notwendig?

Der Zustand des Fahrzeugs muss nicht unbedingt tadellos sein. Er darf durchaus Gebrauchsspuren aufweisen und muss dem Gutachter nicht komplett restauriert vorgeführt werden. Grobe optische Mängel, wie nicht behobene Unfallschäden, große Dellen, Lackschäden und vor allem Rost, können allerdings Ausschlusskriterien für die Erteilung des H-Kennzeichens sein. In jedem Fall muss natürlich die Verkehrssicherheit gewährleistet sein. Zudem muss eine Hauptuntersuchung "unter Berücksichtigung der damaligen Technik ohne erkennbare Mängel" bestanden werden.

Was kostet die Bewertung durch einen Gutachter?

Die Hauptuntersuchung und die Bewertung des schützenswerten Charakters können in der Regel in einem Termin durchgeführt werden. Für die Begutachtung durch einen Sachverständigen, zum Beispiel vom TÜV oder der DEKRA, müssen ca. 100 Euro für einen PKW und ca. 65 Euro für ein historisches Kraftrad gezahlt werden. Die Hauptuntersuchung unterscheidet sich preislich nicht von der aktueller Fahrzeuge und kostet ca. 70 Euro.

Vorteile eines H-Kennzeichens

Das H-Kennzeichens bedeutet für den Fahrzeughalter zahlreiche Vorteile. So ist die Kfz-Steuer pauschal auf 46,02 Euro für Krafträder und 191,73 Euro für andere Fahrzeuge (§9 Abs. 4 Nr.1 bzw. Nr.2 KraftStG) festgelegt. Desweiteren kann man deutlich bei der Kfz-Versicherung sparen, weil in der Regel davon auszugehen ist, dass entsprechende Fahrzeuge besonders vorsichtig und eher selten bewegt werden. Viele Versicherungsunternehmen bieten daher spezielle Oldtimer-Versicherungen an. Fahrzeuge mit H-Kennzeichen dürfen übrigens auch in Umweltzonen bewegt werden, in denen sonst spezielle Auflagen gelten. Eine Feinstaubplakette ist für diese Fahrzeuge nicht nötig.

Damit diese Vorteile auch bestehen bleiben, ist auf eine regelmäßige Pflege und sorgsame Behandlung des alten Gefährts zu achten. Denn bei jeder anstehenden Hauptuntersuchung werden gleichzeitig auch die Anforderungen an das H-Kennzeichen erneut überprüft. Werden diese, z.B. durch Umbau wesentlicher Fahrzeugteile, nicht mehr erfüllt, kann das H-Kennzeichen entzogen werden.

Die Merkmale des Kennzeichens

Das H-Kennzeichen sieht in Format und Aufbau fast genauso aus wie das reguläre Autokennzeichen für Pkw in Deutschland. Als besonderes Merkmal trägt es jedoch hinter der Nummer ein zusätzliches "H", das für "historisches Kraftfahrzeug" steht. Daraus ergibt sich die Einschränkung, dass bei einzeiligen Kennzeichen die Buchstaben und Ziffern vor dem H aus Platzgründen die maximale Anzahl von 7 nicht überschreiten dürfen. Beispielsweise könnte ein Kennzeichen wie folgt aussehen: AB CD 123H.

Viele Oldtimerfans empfinden den blauen Eurobalken am Anfang des Kennzeichens als störend. Ein Fremdkörper im gesamten Erscheinungsbild. Denn wenn der gesamte Wagen dem Zustand vergangener Zeiten entsprechen soll, dann sollte dies auch nicht vor dem historischen Nummernschild halt machen. In den Bundesländern Bremen und Hessen wurde deswegen vorrübergehend eine Ausnahmeregelung etabliert, wodurch es möglich war, ein H-Kennzeichen nach der bis zum Jahr 2000 gültigen DIN-Norm bei der An- und Ummeldung zu erhalten.