Manipulierte Tachos beim Gebrauchtwagenkauf

Wie man sich gegen gefälschte Kilometerstände wehren kann

[19.06.2015] Ratgeber | gl

Der Gebrauchtwagenmarkt ist groß und vielschichtig und immer wieder tummeln sich hier einige schwarze Schafe unter den zahlreichen gewerblichen und privaten Händlern. Gerade bei gehobenen und beliebten Modellen von Marken wie Audi oder BMW, wird auf dem hart umkämpfen Markt gerne etwas getrickst, um einen möglichst hohen Preis beim Verkauf zu erzielen. Zu den besonders häufigen Maßnahmen zählt die Manipulation des Kilometerstands auf dem Tacho. Laut Studien und Polizeiangaben besitzt mittlerweile sogar jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland einen manipulierten Kilometerstand. Die Chancen einen solchen Tacho-Betrug zuverlässig nachzuweisen ist hingegen sehr schwierig. Dennoch gibt es Wege und Möglichkeiten, sich gegen solche Betrugsfälle abzusichern. Wir sagen Ihnen worauf Sie achten sollten.

Fahrzeugunterlagen sorgfältig prüfen

Tacho
Die Manipulation des Kilometersstandes ist mittlerweile weit verbreitet, Foto: Alexander Davidyuk

Lassen Sie sich vor dem Kauf eines Fahrzeugs unbedingt alle Fahrzeugunterlagen zeigen und studieren Sie diese gründlich. Jedem Gebrauchtwagen muss auch eine aktuelle Prüfbescheinigung der letzten Hauptuntersuchung beiliegen. In diesen Unterlagen ist auch der gegenwärtige Kilometerstand zum Zeitpunkt der Inspektion vermerkt. In Kombination mit anderen Unterlagen, wie vergangenen HU-Berichten, Reparaturen oder Wartungen, kann man so schnell die reale Laufleistung rekonstruieren und mit dem aktuellen Tachostand vergleichen. Auch im Service- und Inspektionsheft finden sich in der Regel vermerkte Kilometerangaben, die man bei der Einschätzung miteinfließen lassen kann.

Motorraum und Innenraum prüfen

Bei der Sichtung des angebotenen Fahrzeugs ist ein Blick unter die Motorhaube Pflicht. Achten Sie dabei auf den Vermerk des letzten Ölwechsels, der in Form eines kleinen Schildchens oder Aufklebers im Motorraum angebracht ist. Dort finden Sie das Datum des letzten Ölwechsels und zudem den damaligen Kilometerstand. Auch allgemeine Verschleißspuren im Cockpit des Wagens können einiges über den realen Zustands des Wagens aussagen. Zeigen Fahrersitz, Lenkrad oder der Schaltknüppel übermäßige Abnutzungsspuren, sollte man skeptisch werden, wenn das Auto mit einem verhältnismäßig niedrigen Kilometerstand angeboten wird. Auch die Auto-Pedale tragen erst bei Kilometerleistungen ab 120.000 km aufwärts auffällige Abnutzungserscheinungen .

Lohnenswerte Detektivarbeit bei hochpreisigen Gebrauchtwagen

Tritt bei der Besichtigung des Fahrzeugs Grund zur Skepsis auf, kann sich etwas „Detektivarbeit“ lohnen, vor allem wenn es sich um einen hochpreisigen Gebrauchtwagen handelt. Über alte Reparatur- und Wartungsrechnungen können Sie auch direkt Kontakt mit den Werkstätten aufnehmen um abzugleichen, ob der angegebene Kilometerstand realistisch ist. Werkstätten speichern die Daten ihrer Kunden über Jahre und können so stets auch auf alte Daten zurückgreifen. Kommt das Auto aus zweiter oder gar dritter Hand, lassen Sie sich den Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung II) zeigen. Dort sind sämtliche Vorbesitzer des Autos aufgeführt, mit denen man im Zweifelsfall ebenfalls versuchen kann Kontakt aufzunehmen, um die Wartungshistorie zu rekonstruieren.

Nutzen Sie professionelle Gebrauchtwagenchecks zur Absicherung

Sofern Sie sich selbst keine Bewertung des Fahrzeugzustands und der Laufleistung zutrauen, besteht die Möglichkeit, einen professionellen Gebrauchtwagencheck durchführen zu lassen. Viele Dienstleister bieten eine solche Überprüfung schon ab 50 bis 150 Euro an. Mitglieder von Automobilclubs bekommen zudem oft Vergünstigungen für solche Checks, die den allgemeinen Zustand des Wagens objektiv bewerten. Dort kann man mithilfe spezieller Justiergeräte Tacho-Manipulationen nachweisen, indem verschiedene Module des Fahrzeugs ausgelesen werden. Denn in der Regel wird bei solchen Manipulationen nur der Tachostand selbst zurückgesetzt, nicht aber die Einträge weiterer Speichermodule, die sich im Fahrzeug befinden.

Lassen Sie sich den Kilometerstand im Kaufvertrag garantieren

Bestehen Ihrerseits keine Zweifel am Zustand des Wagens, empfiehlt es sich dennoch den Kilometerstand beim Kauf schriftlich festzulegen und im Kaufvertrag garantieren zu lassen. Denn nur so wird die Kilometerangabe verbindlich und rechtlich bindend. Angaben wie „Kilometerstand laut Tacho“ oder ähnliches hat hingegen keine rechtliche Relevanz.